Kundenforum Bremersex

2018-05-22, Haus9, Service Honorar, Ausstattung, Fairness

Druck gegen Sexarbeitende und Betreibende von Sexarbeitsorten

In den letzten Tagen und Wochen wurden im Kundenportal Bremersex Beiträge zum Haus9 veröffentlicht. In Ihnen geht es um Honorarforderungen von Sexarbeitenden und Arbeitsorte, die Sexarbeitende darin unterstützen, höhere Honorare zu fordern.

Zugänglich ist das Forum leider nur, sofern eine Anmeldung erfolgt. Dazu ist ein Identitäts- / Altersnachweis erforderlich. Die in diesem Text folgenden Links sind also zum großen Teil nur mit zusätzlichem Aufwand zu nutzen. Sie sind jedoch aktiv. Sie wurden letzmalig am 22.05.2018 12:15 MEZ abgerufen.

Exemplarisch verlinkt sind insbesondere Aussagen des Bremersex Users Krause.

Bremer Standard Tarif

Bremersex versucht seit das Forum Anfang 2000 geschaltet wurde, Einfluß auf die Honorare von Sexarbeitenden zu nehmen. Wer sich nicht an den „Bremer Standard Tarif“ von 50 € für 30 Minuten Sexdienstleistungen hält (GV in verschiedenen Positionen und Französisch – einstmals Natur), erhält entsprechende Bewertungen auf Bremersex. Das kritisiert das Haus9 und erhält dafür schlechte Noten z.B. vom User Krause, der gelegentlich aus dem Dornröschenschlaf erwacht.

Das Haus9 informiert seine Mietenden auch in Rumänisch über die Bemühungen zur Durchsetzung des Bremer Standard Tarif von Seiten Bremersex. Auf Seite sechs des Haus9-Mietvertrages, findet sich dazu seit 2011 der Hinweis:

»Das Forum „bremersex“ vertritt offensiv den „Bremer Standard“. Mit diesem Begriff ist gemeint: Oralverkehr natur (Nachtrag: so war es bis zum 1.7.17 ab dann mit Schutz) und Geschlechtsverkehr (safe), 30 Minuten für 50 €. Das Forum übt auf Sexarbeitende Druck aus, diese Honorare zu akzeptieren. Es wird empfohlen nur zu Sexarbeitenden zu gehen, die diese Honorare akzeptieren. Sexarbeitende, die sich daran nicht halten werden vom Forum kritisiert, oder sogar abwertend behandelt. Die Inhaber des Forums billigen und unterstützen das. Wir als „Haus9“ lehnen diese Vorgaben seitens des Forums bremersex und der Kunden ab. Wir empfehlen in kollegialer Übereinkunft andere Honorare durchzusetzen«

Unsteter Gast

Krause ist ein unsteter Gast des Forums. Seit August 2005 schreibt er Beiträge zu Bremersex. Ursprünglich mit der Signatur Bodo, danach als Hausmeister . Das steht in Bremen im Feld der Sexarbeit als andere Bezeichnung für Betreiber oder auch, zumeist selbstironisch, für Lude oder Zuhälter.

Ab Januar 2007 herrschte bei Krause Sendepause. Im Oktober 2012 meldet er sich dann wieder zu Wort. U.a. mit einem aus 2013 stammenden Beitrag zum Haus9 und seinen Mieterinnen. Er nimmt dabei Bezug auf u.a. (Zirkus) die Unterstützung höherer Honorare durch das Haus9.

»Hübsches Mädchen.
Allerdings nach dem Zirkus den der Betreiber hier veranstaltet hat, ist die Bude für mich gestorben. Vielleicht treibt es sie demnächst ja weiter, wie viele andere auch. Dann werde ich sie mir mal zur Brust nehmen.« (Hvhbg. Haus9)

Vom November 2015 bis April 2018 verschwindet Krause wieder in der Versenkung.

Am 06.05.2018 meldet sich Krause erneut zu Wort: kostet extra. Er schreibt, sich nicht daran störend, dass er wortbrüchig (Bude ist für mich gestorben) also unglaubwürdig wurde, über Sexarbeitende die aktuell im Haus9 tätig sind:

»Ich bin heute seit langem mal beim Niedersachsendamm 9 gewesen. … Ich habe mich nach den Preisen erkundigt und nach Lecken gefragt. Dieses sollte extra kosten. Das hört man selten. … Ich habe dann am anderen Eingang geklingelt.  …
Auch hier die Antwort: Lecken kostet Eeextraa!! Ich habe dann drauf verzichtet mich noch bei weiteren Frauen nach den Preisen zu erkundigen und bin wieder abgehauen.  … Ich muss da auch nicht nochmal wieder hin.« (Naja. Wir werden sehen, was in zwei Jahren von „Krause“ zu hören sein wird. Wortbrüchigkeit nicht ausgeschlossen)

Verbunden wurde diese Einlassung von Krause mit einer Aufforderung an das Haus9. Höhere Honorare seitens der dort tätigen Sexarbeitenden soll das Haus9  unterbinden. Der Bremersex User Svenber63 schreibt gleich nach Krause:

»Die nach oben offenen Kosten für Extras sind mir schon lange ein Dorn im Auge. Der Niedersachsendamm wird immer unberechenbarer und somit für mich immer unbesuchbarer. :thumbdown: Lara sollte langsam handeln, sonst geht da keiner mehr hin.« (Hvhbg. Haus9)

Sperrung von Accounts

Die Dorn im Auge Kritik entspricht der Haltung zum Bremer Standard Tarif, die zum Markenkern von Bremersex gehört. Unbequeme Kritik am Bremer Standard Tarif stört dabei. U.a. dafür wurde auch zum Mittel der Sperrung der Bremersex Accounts des Haus9 gegriffen.

Nachdem Krause am 24.10.2013 vom Zirkus sprach und feststellte, das die Bude (Haus9) für ihn gestorben sei, wurden die Accounts des Haus9 bei Bremersex am 16.01.2014 gesperrt.

Die Sperrung erfolgte nachdem das Haus9 begann seine Beiträge zweisprachig in Rumänisch und Deutsch in das Forum einzustellen. Rumänischen Sexarbeitenden, die zu dieser Zeit die größte Gruppe der Sexarbeitenden in Bremen ausmachten, sollte so die Teilhabe am Forum erleichtert bzw. ermöglicht werden. Sie sollten eine eigene Stimme auf Bremersex haben. Auch um z.B. Beiträge zu kommentieren, die sich gegen sie richteten oder auch um Honorarforderungen zu begründen. Bremersex lehnte es kategorisch ab die rumänisch-deutschen Beiträge zu veröffentlichen. Die Tatsache das somit Zensur ausgeübt wurde interessierte die MacherInnen von Bremersex dabei nicht.

Kritisierte wurde demgegenüber, dass das Haus9 mehrere Accounts geschaltet hatte. Die Rede war von Betrug und missbrauchtem Vertrauen, von Unverschämtheit seitens des Haus9.  Die Praxis das eine Person oder Location über mehrere Accounts verfügte, war bis zum Zeitpunkt der Sperrung der Accounts des Haus9 nach den damals geltenden Forenregeln zulässig. Mehrfachaccounts gehören bis heute zur Normalität bei Bremersex. Dem Haus9 sind solche bekannt. Der Sturm der Endrüstung war somit einer im Wasserglas. Er war sachlich unzulässig. Eine Finte, mit der von der Etablierung der Zensur und der Ungleichbehandlung nicht deutschsprachiger Sexarbeitender durch Bremersex abgelenkt wurde.

Zudem war leitenden Personen des Forums bekannt, dass das Haus9 über mehrere Accounts verfügte. Die Praxis war über Jahre vom Gründer des Forums toleriert und ihr war bis zur Sperrung der Accounts des Haus9 aufgrund rumänisch-deutscher Beiträge nicht widersprochen worden. Dies ist aus e-mail und persönlichen Nachrichten seitens des Haus9 an den Gründer des Forums und dessen Antworten ersichtlich.

Benachteiligung z.B. rumänischer Sexarbeitender

Eine Teilhabe rumänischer Sexarbeitender wurde so von den für Bremersex Verantwortlichen, wenn nicht verhindert, so doch erheblich erschwert. Tatsächlich gab es seit der Sperrung der Accounts vom Haus9 Anfang 2014 bis heute keine Beiträge rumänischer Sexarbeitender mehr auf Bremersex. Demgegenüber duldet Bremersex User, die sich rassistisch z.B. gegen rumänische und bulgarische (Gesocks) oder beleidigend (Schabracken) gegen andere Sexarbeitende äußern.

Das Haus9 hat aus diesem Grund die oben zum download verlinkte

Stellungnahme
Service und Honorar
Neues Sexarbeitsrecht und Risiken
Fairness
zu Beiträgen im Forum bremersex

verfasst und wird sie den Verantwortlichen des Forums zur Veröffentlichung bzw. Beachtung übermittelt. Ihrer Verantwortung gerecht werdend, sollten die Inhabenden des Forums u.a. rumänischsprachigen Sexarbeitenen einen diskriminierungsfreien Zugang zum Forum einräumen, sie sollten Beleidigungen, Diffamierungen und Rufschädigungen von Sexarbeitenden im Forum unterbinden und damit verbundenen Druck auf Sexarbeitende, zwecks Reduzierung von Honoraren oder Erweiterung der Dienstleistungen verhindern.

Sexarbeit – Respekt!

ist das Gebot, dem auch die MacherInnen von bremersex im eigenen Interesse folgen sollten. Sie spielen sonst der weiteren Ächtung der Sexarbeit in die Hände. An deren Ende steht Unterbindung der Sexarbeit durch Gesetze, die sich an das schwedische Sexkaufverbot anlehnen könnten oder darüber hinaus gehen. Der Betrieb eines Forums wie bremersex wäre unter diesen Vorzeichen illegal und strafbewehrt. Keine Perspektive für bremersex. Die Perspektive lautet auch für bremersex, auch für dessen User: Sexarbeit – Respekt.

Die Diskreditierung die in Krauses Worten „kostet Eeextraa!! enthalten ist, führt demgegenüber ins Abseits zunehmender gesellschaftlicher Ächtung der Sexarbeit. Bremersex und die User, die den Bremer Standard Tarif zum Goldenen Kalb ihrer Bemühungen erheben, sägen mit versuchten Nötigungen wie Lara sollte handeln, Drohungen wie ist die Bude für mich gestorben, Erpressungsansätzen wie Vielleicht treibt es sie demnächst ja weiter und Ich muss da auch nicht nochmal wieder hin oder auch Kosten für Extras sind mir schon lange ein Dorn im Auge an der Wurzel des Baumes, der sie trägt. Das sind Versuche der Einschüchterung, die der Gegnerschaft der Sexarbeit die „Entwürdigung der Frau“, „die Brutalität des Systems der Prostitution“, „die patriarchale Gewalt“ auf dem Silbertablett servieren, auf dem die Sexarbeit seziert werden wird. Die Freierbestrafung a la Schweden inbegriffen.

 

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